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Praxis-Ratgeber zum Magnesium entlacken: Wie Magnesiumfelgen, Motorrad- und Industriebauteile materialschonend im Tauchverfahren entlackt und sauber für die Neubeschichtung vorbereitet werden – inklusive Ablauf, typischen Anwendungen und Tipps.
Magnesium verhält sich in der Entlackung anders als Aluminium – und wer es wie Aluminium behandelt, bekommt das früher oder später zu spüren: dunkle Verfärbungen, Lochfraß, weiße Beläge oder Haftungsprobleme bei der Neubeschichtung. Dieser Beitrag beschreibt, woran das liegt, wie ein sauberer Ablauf aussieht und welche Fehler in der Praxis am häufigsten vorkommen.
Wenn Sie stattdessen wissen wollen, womit gearbeitet wird und welche Anlagen dafür nötig sind, finden Sie das auf unserer Seite Magnesium entlacken.
Warum Magnesium anders reagiert
Magnesium ist das unedelste der gebräuchlichen Konstruktionsmetalle. Daraus folgen drei Dinge, die den ganzen Prozess bestimmen:
Es reagiert mit Säuren. Saure Reiniger und Felgensäuren setzen an Magnesium Wasserstoff frei und tragen Material ab. Sie haben an diesem Werkstoff nichts zu suchen – auch nicht „nur kurz zum Nachhelfen“.
Es korrodiert schnell, sobald es blank ist. Während blankes Aluminium innerhalb von Minuten eine schützende Oxidschicht bildet, bleibt Magnesium angreifbar. Stehende Feuchtigkeit auf einem frisch entlackten Teil ist der häufigste Grund für Flecken.
Kontakt mit edleren Metallen schadet. Stahlspäne, Eisenstaub oder ein Stahlgestell im Bad bilden mit Magnesium ein galvanisches Element – an den Kontaktstellen frisst es sich ein. Gestelle, Haken und Bürsten sollten deshalb aus Kunststoff oder Edelstahl sein.
Sicherheitshinweis: Magnesiumspäne und -staub sind leicht entzündlich und lassen sich mit Wasser nicht löschen. Trockenes Schleifen, Bürsten oder Funkenprüfungen an Magnesiumteilen sind deshalb tabu. Bei Unsicherheit über den Werkstoff gilt: erst klären, dann arbeiten.
Erst den Werkstoff klären
Viele Schäden entstehen, weil ein Teil für Aluminium gehalten wird. Magnesiumteile sind auffällig leicht, klingen beim Anklopfen dumpfer und tragen häufig Gussbezeichnungen wie AZ91 oder AM60. Typische Kandidaten sind Motorsport- und Klassiker-Felgen, Kupplungs- und Motordeckel, Gabelbrücken sowie Gehäuse aus dem Leichtbau. Im Zweifel hilft ein Blick in die Teiledokumentation oder eine Anfrage beim Hersteller – die zehn Minuten sind besser investiert als ein beschädigtes Einzelstück.
Ausgangszustand: abgeplatzte Beschichtung und beginnende Unterwanderung an den Speichenübergängen.
Ablauf in sechs Schritten
Teil bewerten und dokumentieren Zustand, Schichtaufbau und vorhandene Schäden festhalten – idealerweise fotografisch. Vorhandener Lochfraß wird durch die Entlackung sichtbar, nicht verursacht; wer das vorher dokumentiert, spart später Diskussionen.
Gründlich entfetten Bremsstaub, Öl und Wachs bremsen jedes Entlackungsmittel aus und führen zu fleckigen Ergebnissen. Neutral reinigen, keine sauren Felgenreiniger.
Im Tauchbad arbeiten, nicht punktuell Das Tauchverfahren erreicht Speichenrückseiten, Ventilbohrungen und Hinterschnitte gleichmäßig. Punktuelles Auftragen führt bei Magnesium schneller zu ungleichmäßigem Abtrag als bei Aluminium.
Zwischendurch kontrollieren Statt einer festen Zeitvorgabe wird der Fortschritt geprüft: Sobald sich die Schicht abhebt, herausnehmen und spülen. Ein zweiter, kürzerer Durchgang ist besser als ein zu langer erster.
Spülen und sofort trocknen Reichlich spülen, dann konsequent trocknen – Druckluft an alle Bohrungen und Hinterschnitte. Kein Teil darf nass liegen bleiben, auch nicht über die Mittagspause.
Zügig weiterverarbeiten Blankes Magnesium wartet nicht. Vorbehandlung und Grundierung sollten am selben Tag folgen; längere Standzeiten nur trocken, staubgeschützt und ohne Handkontakt.
Praxis-Tipp: Legen Sie für Magnesium ein eigenes Bad an und mischen Sie es nicht mit Baderesten aus der Stahl- oder Alu-Bearbeitung. Fremdmetalle im Bad sind eine der häufigsten Ursachen für punktuelle Verfärbungen, die sich später nicht mehr wegpolieren lassen.
Fehlerbilder und ihre Ursachen
Was Sie sehen
Woran es meistens liegt
Dunkle, graue Schleier auf der Fläche
Zu lange Verweilzeit oder Bad mit Fremdmetallanteil
Punktueller Lochfraß, oft an Kanten
Säurekontakt oder galvanisches Element durch Stahlkontakt
Weißliche Beläge nach ein bis zwei Tagen
Restfeuchte in Bohrungen, zu langsam getrocknet
Neubeschichtung hält nicht
Rückstände nicht vollständig entfernt oder zu lange Standzeit bis zur Grundierung
Streifen entlang der Speichen
Ungleichmäßiges Herausnehmen, Flüssigkeit läuft einseitig ab
Zielzustand: gleichmäßiges Materialbild ohne Schleier, bereit für die Vorbehandlung.
Warum nicht strahlen?
Strahlen wirkt bei Magnesium doppelt ungünstig. Erstens trägt es Material ab – bei dünnwandigen Guss- und Leichtbauteilen ist das kritischer als bei Aluminium. Zweitens erzeugt es eine raue Oberfläche, in der sich Strahlmittelreste festsetzen; sind das eisenhaltige Mittel, bleibt ein Korrosionsrisiko dauerhaft im Bauteil. Dazu kommt der Staub, der bei Magnesium nicht nur lästig, sondern brandgefährlich ist. Chemisches Entlacken im Tauchbad löst die Schicht, ohne die Geometrie anzutasten – gerade bei Teilen, die vermessen oder ausgewuchtet werden müssen, ist das der entscheidende Unterschied.
Kurzfassung für die Werkstatt
Werkstoff sicher bestimmen · keine Säuren · kein Trockenschliff · kein Stahlkontakt · im Tauchbad arbeiten und den Fortschritt kontrollieren statt die Uhr · gründlich spülen · sofort und vollständig trocknen · am selben Tag grundieren.
Wann ein Teil besser abgegeben wird
Nicht jedes Bauteil gehört in ein eigenes Bad. Bei sicherheitsrelevanten Teilen mit unklarer Vorgeschichte, bei bereits sichtbarem Lochfraß oder bei Einzelstücken, die nicht ersetzbar sind, ist eine Vorabbewertung durch jemanden mit Magnesium-Erfahrung die günstigere Variante – gemessen an dem, was ein zerstörtes Teil kostet. Wir schauen uns solche Fälle an und sagen ehrlich, wenn sich der Aufwand nicht lohnt.
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